Optischer Bildstabilisator

Der optische Bildstabilisator ist ein Mechanismus zur Vermeidung von Bildunschärfen. Viele Schnappschüsse waren in der Vergangenheit leider mit leichten Bildunschärfen behaftet. Dies betraf in erster Linie ältere Fotokameras. In früheren Zeiten mussten Fotografen ihre Kamera daher auf ein Stativ befestigen, um eine sogenannte Verwacklungsunschärfe zu vermeiden. Freihändig kann eine solche Fotokamera mit einer Normalobjektiv-Brennweite von 50 mm mit einer Verschlusszeit zwischen 1/60 und 1/125 Sekunde problemlos gehalten werden. Bei einem kleinen bis mittleren Teleobjektiv sind 1/200 Sekunde vonnöten. Dennoch muss hierbei der Fotograf äußerst ruhig stehen und die Kamera fest in den Händen halten. Erst mit der Entwicklung der Bildstabilisierung war es möglich, auch bei ungünstigen Belichtungen verwacklungsfreie Aufnahmen zu erreichen. So sind auch Aufnahmen möglich, wenn der Fotograf die Kamera nicht immer hundertprozentig ruhig hält. Zu diesem Zweck soll der optische Bildstabilisator hier etwas näher erläutert werden.

Die Vorteile eines optischen Bildstabilisators

Je nach Kamerahersteller bietet eine Bildstabilisierung einen Vorteil von bis zu vier Blendenstufen. Insoweit wird die Freihandfotografie sowohl in Bezug auf die Brennweite des Objektivs als auch auf die Verschlusszeit wesentlich erweitert. Wer zum Beispiel zwischendurch ein paar Schnappschüsse machen möchte und die Kamera dabei ein wenig bewegt, muss nun keine Angst mehr haben, dass die Aufnahmen verwackeln. Am besten arbeitet eine Bildstabilisierung bei unbewegten Fotomotiven. Aber auch bei sich bewegenden Objekten kann diese Mechanik zu besseren Ergebnissen führen. Gegen eine Bewegungsunschärfe, wie sie in erster Linie bei Sportaufnahmen auftritt, hilft in aller Regel aber nur eine sehr kurze Verschlusszeit.

Die verschiedenen optischen Bildstabilisatoren

Moderne Digitalkameras, aber auch Smartphones, sind nicht nur mit leistungsstarken Bildsensoren ausgestattet, sondern auch mit einem optischen Bildstabilisator. Dabei kann der Bildstabilisator entweder direkt im Objektiv verbaut oder der Bildsensor beweglich gelagert sein. Viele führenden Kamera- und Objektivhersteller, wie zum Beispiel Canon, Nikon, Sony, Tamron, Panasonci, Fuji oder Leica bieten einen optischen Bildstabilisator an, der im Objektiv untergebracht ist. Olympus und Pentax setzen dagegen auf bewegliche Bildsensoren. Letztere Lösung bietet den Vorteil, dass eine Bildstabilisierung auch dann stattfindet, wenn ein Objekt über diesen Mechanismus nicht verfügt. Dagegen setzten digitale Spiegelreflexkameras auf bildstabilisierende Objektive, da nur auf diese Weise auch die Bildstabilisierung mit Blick durch den Sucher sofort erkennbar ist. Vorteil der stabilisierten Objektive ist, dass diese auch an analogen Kameras verwendet werden können.

Der optische Bildstabilisator im Objektiv

Befindet sich der Bildstabilisator direkt im Objektiv, sind einige Prismen und Linsen beweglich gelagert und werden über Sensoren horizontal und vertikal so ausgerichtet, dass die Bewegungen der Kamera automatisch ausgeglichen werden. Leider müssen hierbei leichte Bildqualitätsverluste hingenommen werden, da der Bildstabilisator die optischen Elemente im Objektiv ständig bewegt. In den Randbereichen des Bildes kann es daher zur chromatischen Aberration kommen. Hierunter wird ein Abbildungsfehler von optischen Linsen verstanden, der dann entsteht, wenn das einfallende Licht im Objektiv unterschiedlich stark gebrochen wird.

Der Hersteller Canon bezeichnet seinen optischen Bildstabilisator als IS für Image Stabilizer, Nikon kennzeichnet seine Objektive mit VR für Vibration Reduction, Panasonic mit O.I.S. für Optical Image Stabilizier und Sony mit OSS für Optical Steady Shot.

Der optische Bildstabilisator in der Kamera

Befindet sich die Bildstabilisierung in der Kamera, werden hierbei keine optischen Elemente des Objektivs verschoben. Stattdessen wird über spezielle Messungen der Bildsensor der Kamera automatisch ausgerichtet. Vorteil ist, dass an einer Spiegelreflexkamera mit dieser Technik sowohl Objektive mit als auch ohne eigene Bildstabilisierung angeschlossen werden können. Wichtig ist, dass bei Verwendung eines Objektivs mit Bildstabilisierung diese ausgeschaltet werden muss, wenn das Objektiv an einer Kamera mit eigenem Bildstabilisator aufgeschraubt wird. Zwei Bildstabilisierungen heben ihren positiven Effekt gegenseitig auf.

Der Hersteller Olympus bezeichnet sein Bildstabilisierungsmechanismus als IS für Image Stabilization, Pentax spricht von SR für Shake Reduction System und Sony bezeichnet für einige seiner Kameras dieses System als SSI für Steady Shot Inside.

Kurzer geschichtlicher Rückblick

Die erste Fotokamera mit einer eigenen Bildstabilisierung wurde 1994 von Nikon entwickelt. Diese war im Modell Zoom 700VR implementiert. Ein Jahr später stellt auch Canon ein 75 – 300 mm Tele-Wechselobjektiv mit einem optischen Bildstabilisator vor. Interessant ist, dass der erste bewegliche Bildsensor in einer digitalen Spiegelreflexkamera erst 2004 vom legendären Kamerahersteller Konica Minolta im Modell Dynax 7D verwirklicht wurde. Heute gehört diese Kamerasparte zu Sony. Bereits in Zeiten der analogen Fotografie wurde eine Bildstabilisierung in den Minolta-Bridgekameras entwickelt. Im Jahr 2008 wurde die erste Vollformat-Kamera von Sony mit dem Modell DSLR-A900 mit einem Bildstabilisator gebaut. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass diese Entwicklung auch auf die ersten Smartphones übertragen wurde. So stellte Nokia im Jahr 2012 den ersten optischen Bildstabilisator für das Smartphone Lumia 920 auf dem Markt vor.

Der optische Bildstabilisator in Smartphones

Viele moderne Smartphones können es heute mit handelsüblichen Digitalkameras aufnehmen. Trotz ihrer kompakten Gehäusebauweise, sind die Hauptkameras von Smartphones mit leistungsfähigen Sensoren ausgestattet. So bietet zum Beispiel das aktuelle Samsung Galaxy S6 einen 16 MP Sensor und ist mit einem optischen Bildstabilisator ausgestattet. Für perfekte Aufnahmen sorgt auch die Kamerablende mit f1,9. Selbst Videoaufnahmen können verwacklungsfrei in HD und in 4K aufgenommen werden. Mittlerweile kann auch Nokia mit seinem neuen Lumia 1020 mit einem 41 MP Sensor und optischen Bildstabilisator überzeugen. Die Vorteile dieser Bildstabilisation überwiegen gerade in diesem Bereich, da in heutiger Zeit immer ein Smartphone dabei ist und auf diese Weise eindrucksvolle Schnappschüsse gemacht werden können. Beim Fotografieren mit einem Smartphone wird dieses selten sehr ruhig gehalten, so dass ansonsten Unschärfen die Folge wäre. Hier hat sich auf dem Markt so einiges getan. Lediglich in Sachen Auslöseverzögerung und Zoomfunktionalität hinken die Smartphones aufgrund ihrer Bauweise den traditionellen Kameras noch hinterher.